Wo Barack Obama zum ersten Mal Michelle küsste, wo er sich die Haare schneiden ließ und wo er sein Sandwich isst: Stadtrundgänge in Chicago führen durch das Leben des US-Präsidenten. Treffen wird man ihn zwar nicht, dafür aber andere interessante Einheimische.

 

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Ganz grau ist er geworden in letzter Zeit. Zwei Kriege, globale Wirtschaftsflaute, die Immobilienkrise, miese Arbeitsmarktzahlen und fiese Opposition – kein Wunder, oder? Doch Zariff scheint unbesorgt. “Genau richtig für sein Alter”, findet der Friseur und lächelt. Zariff sollte es wissen. Schließlich schneidet er die Haare von Barack Obama schon seit 18 Jahren.

Klein, schmal und unscheinbar ist sein Ladenlokal in Chicago. Glasfenster reichen von der Decke bis zum Boden. Leuchtreklame flimmert draußen. Drinnen spielt leise Soulmusik. Typisch Barbershop, wenn da nicht der ominöse Frisiersessel unter Glas wäre, gleich links am Eingang. Auf dem hat der 44. US-Präsident höchstpersönlich gesessen. “Schrecklich zottelig” soll Obama ausgesehen haben, als er den Salon betrat. Er wurde Stammkunde und der Hyde Park Hair Salon Pilgerstätte.

Wenn Obama nicht gerade in Washington regiert, wohnt Familie Obama nur ein paar Straßen weiter im benachbarten Stadtteil Kenwood. Es ist eine schöne alte Villengegend mit schattigen Bäumen und Multikulti-Flair. Die Universität von Chicago ist gleich um die Ecke, wo Professor Obama von 1992 bis 2004 Jura unterrichtete.

Das dreistöckige Backsteinhaus im Georgianischen Baustil soll je sechs Schlaf- und Badezimmer haben, einen Weinkeller für 600 Flaschen und hochherrschaftliche Säulen vor dem Eingang. Sicherheitsleute bewachen das Eckgrundstück. Schlechte Aussichten für Zaungäste.

Wie ein Groupie

Davon gibt es viele. Natürlich spazieren Chicago-Besucher weiterhin durch den Millennium Park mit der spiegelnden Cloud-Gate-Skulptur, die einen fallenden Quecksilbertropfen darstellen soll, aber wie eine außerirdische Riesenbohne aussieht.

Sicher bewundern sie Chicagos imposante Architektur, eine himmelstrebende Wolkenkratzer-Welt aus Stahl, Glas und Beton. Naturkunde- und Kunstmuseum, Aquarium und Planetarium, schicke Shoppingmeile und der Amüsierkai Navy Pier – alles da. Doch Chicagos Sehenswürdigkeiten haben Konkurrenz bekommen: Obama-Touren.

Wie ein Groupie kommt man sich vor, auf den Spuren des Präsidenten. Treffen wird man Obama nicht, dafür aber interessante Einheimische – wie Marsha Goldstein zum Beispiel, die dem Präsidenten auf Empfängen schon die Hand geschüttelt hat. Wer nicht allein mit dem Stadtplan losziehen möchte, kann sich mit ihr als Reiseführerin auf Trampelpfade durch “Obamaville” begeben. Nur zum Südende Chicagos, wo Barack Obama prägende politische Erfahrungen sammelte, “da fahre ich nicht hin”, sagt die resolute Mitsechzigerin entschieden.

Fabriken und Stahlwerke haben dort lange dicht gemacht, Diebesbanden, Straßengangs und Drogendealer das Vakuum gefüllt. In den späten Achtzigern, als sich Obama gegen Asbest in Sozialwohnungen engagierte, sei es in der Far South Side schon schlimm zugegangen. Aber das sei kein Vergleich zu heute, warnt Marsha, schüttelt die Lockenmähne und wackelt mit dem Zeigefinger: “Lebensgefährlich!”

Obamas Büro als Community Organizer war damals in einer katholischen Pfarrei und so winzig, dass Meetings angeblich im nächsten McDonald’s (bei Big Mac und Cola) stattfanden. Die Trinity United Church of Christ, wo Obama am 3. Oktober 1992 Michelle Robinson heiratete, lag nur wenige Autominuten entfernt. 1995 zog die Gemeinde vier Blöcke weiter.

 

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